| Fontaine de Vaucluse
2011
von Ekkehard Müller
Als
wir auf der Rhone-Autobahn nach Süden fuhren,
beobachteten wir mit gemischten Gefühlen die
verschiedenen Wettersituationen, von Starkregen
bis Sturmböen war alles dabei. Nicht unbedingt
das, was man sich zum Höhlentauchen wünscht.
Hinter Valence besserte sich das Wetter und
unsere Stimmung dann deutlich und in Fontaine de
Vaucluse angekommen war's richtig schön. Wie
immer während der Schulferien konnten wir in der
Dorfschule übernachten und richteten uns dort
mit unserem ganzen Equipment häuslich ein. Nach
und nach trafen die Freunde von der S.S.F.V (Société
Spéléologique de Fontaine de Vaucluse) ein und
wir begannen mit Tauchgangsvorbereitungen.
Zwischenzeitlich kam auch der Bürgermeister mit
den von Département bestätigten
Tauchgenehmigungen. In der Fontaine de Vaucluse
ist Tauchen grundsätzlich verboten, für
Mitglieder der S.S.F.V. und bei begründetem
wissenschaftlichem Interesse werden
Ausnahmegenehmigungen von Gemeinde und
Département erteilt. Mit Paul Winkler und Thomas
Soulard gab's dann noch ein ausführliches
Briefing zur morgen anstehenden Video-Dokumentation
und zum Tauchgang, der bis 100 m Tiefe geplant
ist.
Am
nächsten Morgen machen wir uns um 6:00 Uhr mit
dem Land Rover auf den Weg zur Quelle, auf
einem Weg, der sonst nur Fußgängern vorbehalten
ist. Wegen unserem umfangreichen Equipment sind
wir sehr dankbar über diese Sondergenehmigung.
Alles wird zügig entladen, wieder runter zur
Schule, die zweite Fuhre einladen, wieder zur
Quelle hoch, ausladen, rückwärts runter, um 8:45
ist alles erledigt. Zeit hatten wir bis 9:00, da
öffnen die Souvenirstände und die ersten
Touristen kommen. Jetzt beginnt der unterhaltsame
Teil des Ausflugs, wir müssen unser gesamtes
Tauch- und Kameraequipment zum Quellteich
hinunter tragen, das heißt für jeden 5-6 mal
runter und wieder hoch. Danach ist es nicht
ratsam, gleich zu tauchen, also machen wir 1
Stunde Pause und nehmen konzentierte Kohlehydrate
und reichlich Flüssigkeit zu uns. Im Schatten
des Quellportals rödeln wir langsam an (bloß
nicht schwitzen anfangen) und sind schließlich
gegen 11:30 im Wasser.


Einmal
abgetaucht, umfängt mich schnell wieder die
mystische Vaucluse-Atmosphäre. Trotz vieler
Tauchgänge in der Quelle geht mir das immer noch
so. Wir tauchen langsam ab, vorbei an Blockwerk
und "Ottonelli's Boot". Die Sicht ist
nicht besonders, 2 Freunde von der S.S.F.V. haben
am Tag zuvor die Permanentleine im
Eingangsbereich erneuert. Ich weiß, dass das mit
zunehmender Tiefe besser werden muss. Wir
wechseln auf das 12/60, sinken auf -40 m
und deponieren unser erstes Dekogas (35/35) für
den Rückweg. Dort schalten wir auch die LED
Videoleuchten und die Apollo HMI 200 W an. Die
erhebliche Investition für die Apollo hat sich
gelohnt, das Ding macht richtig Licht. Thomas
taucht mit einer 50 W HID Leine legend vorne,
Paul folgt mit der Apollo HMI 200 W, ich folge
mit der HD Kamera. Die Sicht ist nun fantastisch.
Gemächlich gehen wir tiefer, bemüht, die
Abstände bei zu behalten. Sonst wäre einer mal
im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr im Bild.
Die auf -40 m beginnende "Salle de la
Cathédrale" vermittelt den Eindruck von
Weltraum, sie fällt im 60° Winkel ab und wir
sinken vom optischen Eindruck her ins Bodenlose.
Vorbei an -60 m, -80 m und -90 m nähern wir uns
unserem heutigen Ziel, der Kante, wo die "Salle
de la Cathédrale" in den "Grand Puits"
übergeht. Und, wie's halt manchmal so läuft,
fängt ein Injektor von Paul's PSCR das blasen an.
Grund genug, den Tauchgang an dieser Stelle zu
canceln. Wir machen uns auf den Rückweg,
dekomprimieren uns langsam nach oben und haben so
die Gelegenheit, bei den Dekostops noch einiges
an Videomaterial zu bekommen. Wir nehmen unser 35/35
auf, dekomprimieren uns hoch bis zur "Salle
de Barque" zu "Ottonelli's Boot",
dort steigen wir um auf 50/25. Langsam dem
Ausgang entgegen tauchend, gelingen noch
interessante Einstellungen. Die 40 Minuten auf O2
sind dank Anzugheizung ganz gemütlich. Die
Gesamttauchzeit war 2:45 Stunden. Einmal aus dem
Wasser, muss jeder erstmal seine Eindrücke von
diesem fantastischen Tauchgang los werden. Das
gibt uns dann auch die Gelegenheit zu einer
Stunde Pause, bevor das gesamte Equipment wieder
den Quelltrichter hoch muss.

Der
für den nächsten Tag geplante weitere
Videotauchgang entfällt, weil es in der Nacht zu
regnen beginnt und die Verhältnisse in der
Quelle sich drastisch verschlechtern. Wir haben
aber, trotz schwieriger Bedingungen, gutes
Videomaterial und planen schon für nächstes
Jahr.




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